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Interview: Sanja Lulei über textile Leuchten

Für die Machwerkschau #04 entwickelt Buschfeld gemeinsam mit Textildesignerin Sanja Lulei die handgewebte Leuchte Light.ness. In diesem Interview spricht Lulei über ihren experimentellen Webansatz, die Wirkung von Licht auf textile Strukturen und den Prozess, ein Gewebe in ein räumliches Lichtobjekt zu transformieren. Zudem gibt sie Einblicke in die Zusammenarbeit mit Buschfeld und die besondere Verbindung von Textil, Materialität und 48V-Lichttechnik.

Du arbeitest mit einem sehr eigenen, ruhigen Ansatz. Wie beginnt für dich ein Gewebe?
Der Weberei liegt immer eine Grundordnung zugrunde. Je präziser die Vorbereitung, desto exakter das Ergebnis. Aber ich arbeite nicht streng nach Plan. Vieles entwickelt sich intuitiv, direkt im Prozess. Das Gewebe leitet mich oft weiter, als ich es am Anfang gedacht habe.

Deine Arbeiten bewegen sich zwischen Konstruktion und Dekonstruktion. Was bedeutet das konkret?
Ich starte mit einer klaren Struktur. Im Verlauf löst sie sich teilweise wieder auf. So entsteht eine Form, die geordnet wirkt und gleichzeitig eine gewisse Bewegung in sich trägt. Dieses Hin und Her macht die Textilien für mich lebendig.

Weiß-in-Weiß ist ein zentrales Merkmal deiner Arbeit. Warum diese Reduktion?
Für mich ist Weiß-in-Weiß keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Konzentration aufs Wesentliche. Das Material darf für sich sprechen. Die Strukturen erzeugen genug Tiefe und Sinnlichkeit, dafür braucht es keine Farbe.

Photo: Hendrik Mallmann für Sanja Lulei

Wie verändert Licht deine Textilien?
Licht legt neue Ebenen frei. Struktur, Bindung, Material: alles reagiert anders, je nach Intensität und Richtung. Neben der haptischen Ebene entsteht eine visuelle, die den Raum beeinflusst und sich an verschiedene Bedürfnisse anpassen kann.

Ab wann wird ein Textil für dich ein räumliches Objekt?
Schon früh hat mich interessiert, wie man Flächen weiten und in den Raum bringen kann. Wenn man dreidimensional webt und das Material sich entfalten darf, entsteht etwas, das über die Fläche hinausgeht und seinen eigenen Charakter entwickelt.

Ruhige Räume spielen eine große Rolle in deiner Arbeit. Wie übersetzt du diese Haltung?
Am Ende ist jede Arbeit poetisch — durch das Zusammenspiel von Faser, Form und Licht. Die Ruhe entsteht nicht durch Reduktion um der Reduktion willen, sondern durch ein klares Gleichgewicht.

Welche Materialien stecken in Light.ness?
Wolle, Baumwolle und Leinen. Jede Faser bringt ihre eigene Qualität mit, und zusammen ergeben sie einen ruhigen, flexiblen Ausdruck.

Wie entstand die Idee zu Light.ness?
Ich habe lange mit Weiß-in-Weiß in der Fläche gearbeitet. Die Struktur war so präsent, dass die Weiterentwicklung in den Raum fast selbstverständlich war. Unterschiedlich ist weniger die Technik als die Nachbehandlung des fertigen Gewebes.

Wie gelingt die Balance aus Struktur und Leichtigkeit?
Eine präzise Grundstruktur ist immer da. Die Leichtigkeit ergibt sich aus den Materialien und aus einem Prozess, der über die Jahre immer intuitiver geworden ist.

Was hat dich an der Zusammenarbeit gereizt?
Zwei Ansätze treffen aufeinander: ein künstlerisch-textiler und ein technischer. Dieses Zusammenspiel eröffnet neue Möglichkeiten. Buschfeld bringt Erfahrung in Lichtplanung und -gestaltung ein; das ergänzt meinen Zugang auf sehr natürliche Weise.

Der gewebte Schlauch wird über einem Glaszylinder fixiert. Was war daran herausfordernd?
Ganz ehrlich: die Zeit. Es war ein sehr schnelles Projekt.

Welche Aspekte des Buschfeld-Systems passen gut zu deinem Ansatz?
Modularität, Flexibilität und die Offenheit, Neues zu probieren und digitale Aspekte mit dem Analogen zu verbinden.

Die Anbindung an die Lichtschiene ist entscheidend. Wie bist du an diese Schnittstelle herangegangen?
Mir war wichtig, das Lichtobjekt losgelöst von sichtbaren Konstruktionen zu denken. Die Schlichtheit der Buschfeld-Lichtschiene ermöglicht genau das: Die Leuchte wirkt, als würde sie schweben.

 

Wie wirken verschiedene Formate, zum Beispiel:längere Schläuche, größere Durchmesser?
Allein durch Skalierung oder Mehrfachanordnung entstehen völlig neue räumliche Situationen. Das ist der modulare Charakter der Arbeit, nur eben textiler gedacht.

Welche Rolle spielen Unikate und Kleinserien für dich?
Sie ermöglichen Qualität und Nähe zum Material. Nach vielen Jahren in der Textilindustrie weiß ich, wie schnell Produktionszyklen soziale und ökologische Aspekte ausblenden. Individuelle Fertigung setzt dem etwas entgegen.

Wie geht es weiter: Neue Materialien, neue Dimensionen?
Mich reizt die räumliche Dimension mehr als das Material selbst. Größer denken, Räume einbeziehen, modulare Systeme mit verschiedenen Stimmungen oder Steuerungen — das sind Richtungen, die ich spannend finde.

Was bedeutet die Präsentation im Rahmen der machwerkschau für dich?  Gerade weil es für Buschfeld und dich eine Premiere ist?
Für mich ist es ein besonderer Moment, Light.ness erstmals im Rahmen der Machwerkschau zu zeigen. Die Zusammenarbeit selbst ist neu, und auch die Entscheidung, mit einem organischen, weichen Material wie Wolle, Baumwolle und Leinen ein Lichtobjekt zu entwickeln, setzt einen ungewohnten Akzent im Umfeld der sehr technisch geprägten Buschfeld-Leuchten.

Ich finde genau diesen Kontrast spannend: Die textile, handgewebte Struktur bringt eine andere Energie in den Raum — weicher, ruhiger, körperlicher. Dass die Machwerkschau diesen Dialog sichtbar macht, passt für mich gut. Die Leuchte steht dort nicht nur als Objekt, sondern als Beginn einer Zusammenarbeit, die zwei unterschiedliche Ansätze verbindet.

mehr Informationen zu Light.ness finden Sie hier. >
Machwerkschau #04 kann inspirieren. >

Webseite: www.sanjalulei.com
Photos: M. Weber | keine Filme; Hendrik Mallmann